Nach zehn Tagen Dauerlaufen durch New York und San Francisco sind die Billig-Imitat-Chucks durch, die ich mit habe, und ich beschließe, mir ein Paar Originale, die ersten seit einem Vierteljahrhundert, zuzulegen. Kosten halt mehr als das Vierfache (60 Dollar), mal schauen, ob die auch entsprechend besser sind.

Und so latsche ich weiter bergauf und bergab. Wobei mich offensichtlich selbstfahrende Autos der Firma Waymo verfolgen. Autos ohne Personen drin. Einmal mit einer, aber auf dem Beifahrersitz. Einmal fährt es sogar einige Amazon-Pakete an mir vorbei. Gruselig, aber weniger gruselig als die Cable Cars, für die diese Stadt berühmt ist.

Als Autofahrer käme ich mir ja verarscht vor. Da schaltet die Ampel endlich auf Grün, aber sobald ein Ding-ding-ding ertönt, muss man anhalten und die Cable Car vorbeilassen. Oder warten, bis es Leute von Bord gelassen hat, die steigen nämlich gerne an den Kreuzungen aus; was auch verständlich ist, denn nur dort sind die Straßen waagrecht.

Festhalten muss man auch, dass diese Schienenfahrzeuge von nur einem Kabel pro Bahnlinie angetrieben werden, das in der Mitte der Straße verläuft. Da hakt der conductor das Gefährt dann ein und aus, je nachdem, ob es hoch oder runter geht. Eine Bremse hat er zwar auch zur Verfügung, besonders vertrauenserweckend wirkt das alles aber nicht. Aber immerhin vertrauenserweckender als die Technik der ganzen IT-Giganten, die hier in der Gegend angesiedelt sind.

Und dann gibt es da noch die Armee der Verlierer, diejenigen, die auf der Straße leben.

Es ist wie mit den Hochhäusern: deutlich mehr als in Köln oder Velbert. Menschen, die in den Ecken kauern und sich in ihren Pullovern oder unter Planen verstecken, andere sind auf Drogen, die sie einen sehr langsamen Tanz aufführen lassen, der wie eine Mischung aus Zeitlupen-Wackelpeter und Tai Chi wirkt. Andere stehen gebückt da, mit gekrümmtem Rücken, als würden sie gerade kacken, oder betrachten interessiert Dinge, die nur für sie interessant sind.

Mitunter hat man das Gefühl, hier läuft die Evolution rückwärts, was auch daher kommen mag, dass sie, wenn sie sprechen, es oft wie krächzende Vögel tun. Es ist regelrecht erfrischend, zwischendurch jemandem über den Weg zu laufen, der einfach nur eine Wand anschreit.

Aber am Wasser kann man schön sitzen in dieser Stadt. Wenn man nichts gegen Alt-Hippies hat, dem Alter nach als junge Menschen in den 60ern hierhin gezogen, kann man auch sehr schön in Cafés sitzen.

Eher enttäuschend ist hingegen das Meer, das sich erstens sehr fies gewellt präsentiert und zweitens wohl noch fiesere Unterströmungen aufweist; ein gut besuchter Strand, wo alle nur am, nicht im Wasser sind, hält mich dann auch im Trockenen.

Dennoch eine Stadt, in die ich durchaus ziehen würde. Man drücke mir bitte die Daumen, dass mein Gehalt um den Faktor fünf erhöht wird, damit ich mir hier eine Wohnung leisten kann.

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