So’n bisschen Kühlschrank tut doch keinem Menschen weh.

So’n bisschen Kühlschrank tut doch keinem Menschen weh.

Wir saßen in der WG zweier junger Herren. Genau der WG, in der sich immer alle trafen, gerade die, die mit irgendwelchen Lebensabschnittgefährtinnen zusammenlebten, die WG, deren Mülleimer vor plattgedrückten Bierdosen überquoll. Ein dritter Herr hatte, wie öfters, auf dem Sofa genächtigt und den beiden WG-Bewohnern das Versprechen abgerungen, nachmittags einen Kühlschrank abzuholen. Mit der Straßenbahn. Und nun saßen da drei junge Herren, noch gezeichnet vom Vortag, und keiner hatte Lust, die Aktion in Angriff zu nehmen.
„Eigentlich reichen da doch zwei. Zu dritt wird das nur umständlich und man steht sich im Weg. Ist ja keine Kühlgefrierkombi, sondern nur ein einfacher Kühlschrank.“
„Brauchst du überhaupt einen Kühlschrank in der neuen Wohnung?“
„Mit der Straßenbahn, das ist doch Wahnsinn. Vor allem müssen wir den ja erst zur Bahn hin und dann noch von der Bahn in die Wohnung schleppen.“
„Gebraucht und für 10 Mark, das kann ja eigentlich nichts sein. Da wäre ich vorsichtig. Kauf dir lieber was vernünftiges und lass‘ es dir liefern.“
Die Argumente, sie waren gut. Aber nicht gut genug für den dritten Herrn. Wenigstens handelte man ihn auf einen Helfer runter, so dass zumindest einer der Herren sich drücken konnte.

Eine Türklingel, die gedrückt wird, ein Summer, der daraufhin geht.
„Hier ist es. Ich weiß aber nicht, in welchem Stock. In irgendsoeiner WG, hat er gesagt.“
Zwei Herren stiefeln die Altbaustufen hinauf, bis sie an eine offene Wohnungstür gelangen. Durch den Türrahmen ist der Blick auf einen Flur zu sehen, auf dessen Wand jemand „Ficken!“ gesprüht hat.
„Hier muss es sein. Hallo?“ Die beiden Herren betreten den Flur, der sich windet und erstreckt. Stimmen hinter einer Biegung. Eine Handvoll junger Menschen steht da, die Überreste einer Party.
„Tschuldigung, wir sind wegen des Kühlschranks hier.“
Die Partyreste drehen sich um, einer von ihnen öffnet den Mund: „Oh, sorry Jungs. Den haben meine Kumpels kaputtgekloppt, als ich eine Viertelstunde mal nicht da war. Wir hatten Abrissparty, und sie wussten nicht, dass ich den noch verkaufen wollte.“
Die beiden Herren schauen sich an.
„Habt ihr noch ein Bier?“ fragt der eine.
„Hier,“ sagt der andere und zieht eine Dose Pils aus seiner Jackentasche.

Nach einem kurzen Gespräch über Vermieter, die schöne große Altbauwohnungen hochsanieren, nur um richtig dick Geld zu verdienen und einer kurzen Begehung des Objekts („Schaut euch ruhig um!“) verließen die beiden Herren das Schlachtfeld, froh, dem Weißgerätetransport entgangen zu sein. Zumindest in Teilen.