Der Netto-Markt an der Ecke schloss am Samstag seine Tore. Für immer. Er war einer von den Guten. Ein Laden, wie ihn sich die Supermarktketten nur halten, damit die ganzen verkrachten Existenzen dort einkaufen und nicht der Kundschaft in den Premium-Lagen im Wege sind. Wo alles etwas dreckiger ist. Wo mehr geklaut wird. Wo die Kunden auf Drogen – legalen, illegalen, scheißegalen – sind. Wo es an der Kasse öfters mal was länger dauert, und das selten am Personal liegt. Dem Personal, das überforderten Menschen half, Kleingeld zusammenzusuchen, und das einem, wenn man kurz vor Ladenschluss noch schnell Chips und Schokolade holte, mit den Worten „da wird aber auch einer immer dicker“ noch einen schönen Abend wünschte.

Alles hin, alles fort. Was da wohl einzieht? Früher wäre es Schlecker gewesen. Heutzutage ist es wahrscheinlicher ein Barber-Shop, der als Konkurrenz zu den drei anderen in der Straße auch dringend benötigt würde. Am liebsten wäre mir aber ein Lieferdienst, dessen Fahrern man dann immer übern Weg laufen kann, wenn sie gerade lossprinten wollen. Ich denke, ich kaufe mir einen Rollator.

***

Die letzte Woche verbrachte ich im Homeoffice, die davor auf Konzerten. The Death Set waren super, Clowns auch. Bei Letzteren stellte sich bei mir nur irgendwann eine gewisse Langeweile ein. Als ich auf die Uhr schaute, waren die gerade erst seit zwölf Minuten auf der Bühne. Ich bin halt eher ein Popper und dann auch nicht bis zum Ende geblieben. Gewinner der Woche waren klar STIFF RICHARDS. Die gingen ab, und vor allem tat das Publikum es auch. Alles bewegte sich und man suhlte sich gemeinsam im Schweiß. Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt. MDC am Freitag verpasste ich, weil ich Leute traf, aber wenigstens war ich auf die Minute pünktlich zum Konzertende wieder da. Samstags dann EA80, auch im Sonic Ballroom, und es war schön. Vor allem die launigen Ansagen, was Teile der Anwesenden dann schon wieder unpassend fanden. Merke: Jede Band darf nur genau *eine* Stimmung bedienen.

***

Über die Qualität des neuen ZAP Hardcore Magazin kann ich nichts sagen, weil ich es noch nicht zu Gesicht bekommen habe. Ich weiß nur, dass es keinen Scholz-Content enthält, weil ich eher unmotiviert war. Mea culpa. Zum Ausgleich habe ich fürs nächste Plastic Bomb Fanzine auch direkt mal abgesagt. Fragt sich, ob irgendwer ewiggleiche Kolumnen mit irgendwas übers Mittelmeer vermisst.

***

Gutes Stichwort. Nachdem das Mittelmeer auch langsam seinen exotischen Reiz verliert, habe ich mir was ganz Wildes ausgedacht: Ich fahre nach Berlin, Dienstag, 15:10 Uhr fährt mein Zug im Hauptbahnhof ein. Pünktlich, wie man die Deutsche Bahn AG kennt.

Nicht, dass ich nicht schon mal in Berlin gewesen wäre. Und zwar im Rahmen einer Tour mit einer Band, und irgendwie fand ich Berlin eher nicht so besonders. Man kommt an, schleppt Verstärker auf irgendeine Bühne, streitet sich danach mit Besuchern, die ihre Jacken am Merchandise-Stand lagern wollen, räumt danach die Verstärker wieder in die Karre, bezieht irgendwann ein Bett („beziehen“ an dieser Stelle analog zu „ein Haus beziehen“), steht verkatert auf und lässt sich in die nächste Stadt kutschieren. Also auch nicht anders als Unna, Jena oder Kassel.

Aber vielleicht kann Berlin ja mehr. Ich lasse mich da gerne überraschen. Jetzt, wo man Verwandtschaft dort hat, kann man es ja wagen. Vorschläge willkommen.

Schreibe einen Kommentar