New Yorker können sehr schnell gehen. Selbst die Generation Ü80 zieht mühelos an mir vorbei, wenn ich durch die Straßen schlurfe. Und ich bin ein ziemlich schneller Schlurfer, daheim nennt man mich auch den flitzenden Flaneur.
Doch hier nicht. Dabei habe ich mich hier, denke ich, recht gut eingefügt. Bisher hat kein einziger Mensch versucht, mir irgendwelche Touristenattraktionen schmackhaft zu machen, was vermutlich an meiner raffinierten Tarnung (Turnschuhe, Cargohose, Funktionsjacke) liegt; oder daran, dass die mich an ihren Lieblingsplätzen einfach nicht haben wollen.
Das Zufußgehen in Manhattan ist sehr entspannt. Die allermeisten Straßen sind Einbahnstraßen, so dass man nur auf eine Richtung achten muss. Auch sind sie schnurgerade und breit, was den Überblick erheblich erleichtert. Ampeln erleichtern den Spaziergang ebenfalls, nur sollte man als Fußgänger nicht auf Grün warten — das gibt es nicht, es ist hier weiß.
Und überhaupt muss man das alles nicht so streng sehen. Rot bedeutet für Fußgänger, dass sie nicht gehen dürfen, falls da gerade jemand kommt, der laut Straßenverkehrsordnung Vorrang hat. Ansonsten guckt man halt, ob die Straße gerade frei ist, und geht. Anfangs hat man als Deutscher da natürlich ein schlechtes Gewissen, aber nachdem einen die Polizei gleich am ersten Tag zweimal beim gewissenhaften Straßenqueren bei Rot ertappt (und nichts dazu zu sagen hat), legt sich das schnell.
Irgendwann schmerzen die Füße. Das liegt einerseits daran, dass Chucks bei zu viele Stunden Fußmarsch auf Beton zu spanischen Stiefeln mutieren, andererseits vielleicht daran, dass es eben zu viele Stunden Fußmarsch auf Beton waren (und das auch noch in Chucks mit ihren dünnen Sohlen).
So betritt man die U-Bahn, hier liebevoll Subway genannt, und fährt vermutlich erst einmal in die falsche Richtung, weil die Subway auf dem Standpunkt steht, dass Du sie brauchst und nicht umgekehrt, Du also in Bringschuld bist, Dich zu informieren.
Gut, das kann man per Google Maps machen. Wenn man ein Spielverderber ist. Oder mit der schlauen App der Verkehrsbetriebe, die allerdings hauptsächlich aufs Ausspielen von Werbung ausgelegt und ansonsten dysfunktional ist.
Also orientiert man sich daran, ob man Richtung Downtown (Süden) oder Uptown (Norden) will. Und sucht dann am besten einen Subway-Eingang, wo diese grobe Richtungsangabe konkret genannt wird. Das ist nicht immer ganz einfach, da die Eingänge gerne mal ein bis zwei Blocks auseinanderliegen.
Ist das geschafft, kann man sich ruhigen Gewissens der einfahrenden Bahn anvertrauen und dann irgendwann aussteigen, wenn eine Station kommt, die so ungefähr auf der Nord-Süd-Höhe ist, in die man will. Also beispielsweise „28th Street“ oder „34st Penn Station“, wenn man nur 30. Straße will.
Dort steigt man aus und muss eigentlich nur noch zu Fuß in Ost-West-Richtung nachjustieren, bis man am Ziel ist. Was nicht weiter schwierig ist, da Manhattan an seiner dicksten Stelle lediglich 4km breit ist.
Und da die Füße mittlerweile ja eh‘ schmerzen, kommt es darauf auch nicht mehr an.







