Wenn Besuch vom Lande (Münster) kommt, muss man sich als Großstädter (Köln) darauf einstellen, dass der liebliche Geruch von Autoabgasen, Pisse und Kotze von dem von Kuh und Gülle überlagert wird. Insofern ist der Berichterstatter überrascht, als es um 21:30 Uhr im Sonic Ballroom nach Deo riecht; und das, obwohl Publikum und Band sich bereits seit einer halben Stunde viel bewegen. Die Band heißt DONOTS und spielt hier vor gut hundert Leuten ein Konzert (ausverkauft innerhalb von unter zehn Sekunden), bevor es am Tag darauf in derselben Stadt in eine etwas größere Halle (Palladium, 4.000 Plätze, ausverkauft in vermutlich deutlich mehr Sekunden) geht.
Wobei der Größenunterschied der Locations die Musiker natürlich nicht davon abhält, mit einem kompletten LKW voller Musikerkrempel anzurollen; man erkennt den Profi halt daran, dass er auch in kleinen Clubs seine eigene Lichtanlage anschleppt. Oder besser gesagt: anschleppen lässt. Ein ungewohntes Bild, nach dem Konzert Leute, die vorher nicht auf der Bühne standen, Instrumente durch die Gegend transportieren zu sehen.
Beim Auftritt selbst sind dann die Mid- und Hochtemposachen richtig gut, die langsamen eher wenig für den Berichterstatter. Der Sangesmensch klettert gerne auf dem Publikum herum, so dass sein Schweiß auf diejenigen fällt, die unter ihm stehen; ich denke nicht, dass ich mich im Leben nochmal waschen werde.
Verstörend hingegen das Publikum oder vielmehr sein Verhalten. Eben noch munter und unbändig vor sich hin hüpfend, setzt es sich plötzlich auf den Boden und tut so, als würde es rudern. Halten diese Menschen sich für Kanuten? Oder Wikinger? Galeerensklaven? Vermutlich Letzteres, denn sie klatschen mit, wenn man das tun sollte, hüpfen auf vier und setzen sich hin, als der Gitarrist mit dem „Akustikhobel“ ins Publikum geht.
Nun, es gibt Schlimmeres, als freiwillig auf einer Party-Galeere gefangen zu sein. Vor allem auf dieser, die alles weg rammt, was ihr heute in den Weg gesegelt kommt. Und so macht der Korrespondent sich mit dem Objekt des Berichts gemein und hüpft gerne mal eine Runde, singt hier und da, vor allem das allgegenwärtige „Ohoho“, mit, wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist zu fremdeln. Schon schön, das Ganze.
