Ostersamstag, 9 Uhr morgens

Würde man mich kreuzigen, hätte ich auch erst mal gerne meine Ruhe. So wie Jesus, der erst einmal einige Tage lang ausschlief, bevor er wiederauferstand. Und obwohl ich an gestrigem Karfreitag nicht gekreuzigt wurde, hätte ich heute gerne ausgeschlafen und gut darauf verzichten können, dass die Helden von der Stadtreinigung die Mülleimer unten vor meinem Fenster leeren, noch dazu mit laufendem LKW, der auch noch einer der alten – lauten – Diesel ist. Das alles um sechs Uhr vierzig, wohlgemerkt. Als sie wenige Minuten später weg sind, kommt der Kehrwagen durch und dreht seine tosende Tour um die Kreuzung.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich mag saubere Straßen, aber nicht am Wochenende um diese Uhrzeit. Zumal der Partymüll vom Freitag heute mehr als überschaubar war, meinetwegen hätte die Kehrcrew sich freinehmen können, freinehmen sollen.

Gut, wenn ich schon wach bin, lassen sich auch eben die Ostereinkäufe erledigen. Am Marktstand wird mir erklärt, dass niemand Koriander brauche, der sei völlig unnütz. Hätte ich das gewusst, hätte ich ihn nicht gekauft. Aber nun ist er schon bezahlt, verdammt.

Im Supermarkt ein kurzer Schwatz mit der Dame hinter mir, die mir leicht überdreht erklärt, sie habe Ammoniak im Großhirn, sie sterbe bald. Wer habe denn sowas? Nun, Menschen mit Leberzirrhose beispielsweise, wie eine Internetrecherche daheim ergibt. Das passt auch gut zu ihrem Einkauf, der aus einem Tetrapak Wein besteht. Und der Teil mit den „reduzierten kognitiven Leistungen“ erscheint mir auch glaubhaft, so kurz ich die Frau auch kenne.

So viel zum Thema Ostern. Ich lege mich jetzt erst mal wieder hin und hoffe, diesmal nicht wieder so früh aufzuerstehen.

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