Ein wenig ungehalten bin ich ja schon. Seit einer Woche bin ich nun in Griechenland, erstmalig, und dafür musste ich also fünfzig Jahre alt werden. Fünfzig Jahre, und ich bin sogar mehr als ein wenig ungehalten, dass man dieses Land fünf Jahrzehnte lang vor mir versteckt hielt. Ständig war die Rede davon, dass die Griechen vor Jahrtausenden spannende Dinge getan hätten (oder weniger spannende; mein Geschichtslehrer, der alte WW2-Veteran, schwelgte eher länglich in irgendwelchen Schlachtendiagrammen), so dass ich natürlich der Ansicht war, dass es Griechenland schon ewig nicht mehr gäbe.
Und dann stellt sich nun völlig unvermittelt heraus, dass es diesen Staat immer noch gibt und dass er auch noch phantastisch aussieht, so landschaftlich gesehen. Blaues Meer hinter jeder Ecke, Berge aus Fels, Schildkröten, die beim Wandern an einem vorbeiflitzen; da stören auch die Ruinen, die man überall in die Gegend gepfeffert hat, nicht weiter. Zumal es dort ja auch einiges zu erleben gibt. Beispielsweise beim Orakel von Delphi, zu dem man hochgekraxelt ist, zu schlau, um dort Fragen zu stellen. Oder in der Archäologischen Städte am Olymp, einer kaputten Stadt namens Dion, die einem natürlich sofort einen tagelangen Ohrwurm beschert.
Mittlerweile sitzt unsereins auf einem Campingplatz am Meer irgendwo auf der Peloponnes, nachdem man beschlossen hat, keine Sterne in Athen anzuschauen, sondern Stadt Stadt sein zu lassen. Zumindest eine solche, wo noch so viele Häuser stehen.
Mal schauen, ob sie hier dann wenigstens vernünftige Sonnenuntergänge überm Meer hinkriegen; die gab es in Nordgriechenland, am Fuße des Olymps, nämlich eher nicht. Wobei hier auch Ostküste ist, insofern auch fraglich. Aber mal abwarten. Denn es gibt nichts, was es nicht gibt. Selbst Griechenland existiert, immer noch.







