„Sgt. Pepper“ dröhnt laut durchs Auto, als wir über den Highway brausen. Wir sind auf dem Weg nach Memphis, Tennessee, um dort Graceland zu besuchen. Ich komme mir vor wie entführt. Die Reiseleitung hat kurzfristig beschlossen, die Hinterlassenschaften des sogenannten King of Rock’n’Roll anzuschauen, und wer bin ich, mich da querzustellen?
Wer die Musik bestellt, der bestimmt auch, was sie spielt.
In den Zimmern des Graceland Guesthouse-Hotels begrüßt einen der Fernseher, aus dem Musik strömt. Man kann einstellen, ob sie vom 50er-, 60er- oder 70er-Jahre Elvis sein soll. Und es gibt eine segensreiche „Aus“-Taste.
Zudem stehen Wasserflaschen mit bunter „Welcome“-Banderole zur Begrüßung bereit, auf der deutlich kleiner auch vermerkt ist, dass es sechs Dollar kostet, sie zu leeren.
Abends gibt es Elvis‘ Lieblingssnack (irgendwas mit Peanutbutter, meine ich) für lau (solange der Vorrat reicht), es bildet sich tatsächlich auch eine lange Schlange, um die großzügige Gabe (siehe Foto) zu verzehren.
Am nächsten Morgen die Tour durch Graceland, die im Besucherzentrum auf der anderen Seite der Straße beginnt. Und zwar damit, dass man einen kurzen Film schaut und anschließend an einem Bus ansteht, damit dieser einen zurück auf die andere Seite der Straße fährt. Dort wartet man vor den Toren von Graceland und stiefelt anschließend in einer trippelschreitenden Schlange durch Elvis‘ Anwesen.
Die Inneneinrichtung des Hauses besteht aus solidem Elvis-Kitsch, immer haarscharf auf der Grenze zwischen „völlig drüber“ und „auf eine gewisse Art schon geschmackvoll“ wandelnd. Stilvoll ist das schon. Aber hier leben? Nein danke. Um es mal mit Tocotronic zu sagen.
Es gibt Audio-Guides und viele Texttafeln, die zum Beispiel darauf hinweisen, dass Elvis seiner Zeit voraus war, weil er in jedem Zimmer einen Fernseher hatte. In einem sogar drei, um möglichst viele Football-Spiele gleichzeitig schauen zu können.
Auch das Grab gibt es zu sehen, anscheinend lebt der Mann doch nicht mehr. Wobei man natürlich viel auf einen Grabstein schreiben kann.
Der Bus fährt einen zurück auf die andere Straßenseite, wo es noch Elvis‘ Autosammlung zu bestaunen gibt, außerdem seine beiden Flugzeuge.
Und nach dem circa zwanzigsten Merchandise-Shop ist das Erlebnis dann auch vorbei. Wie gut, dass meine Entführer für den Eintritt aufkommen, mir wäre Presleys Mist keine achtzig Dollar wert gewesen. Sowieso völlig überbewertet, der Mann. Das einzige Highlight seines Gesamtwerkes ist der Snare-Sound bei „Hound Dog“.
Wieder im Auto. Endlich wieder Beatles.









