Kalte Kacheln

Am angenehmsten an dieser Stadt sind die Ampeln für Fußgänger. Sie zählen die Sekunden runter, bis es grün beziehungsweise rot wird. Pure Entspannung, wenn man die Stadt durchschreitet. Biegt man um eine Ecke und sieht eine Ampel an einer Straße, die man queren möchte, weiß man sofort: Das schaffe ich noch. Oder eben nicht. Kein Gehetze, es eben doch noch knapp bei Grün zu schaffen, sondern gemütliches Weiterschlendern, sich damit abfindet, dass man nun eine Weile hier herumstehen muss; und man weiß sogar, wie lange.

Dagegen stinken Meer, Strand, gutes Wetter und ähnliche Annehmlichkeiten hier natürlich ab. Braucht eigentlich kein Mensch. Höchstens vielleicht das Wetter, wie Social-Media-Posting von Menschen aus Berlin beweisen, auf denen Schnee zu sehen ist, während ich heute erstmals überlege, ob ich nicht doch lieber die Straßenseite wechseln soll, weil drüben Schatten ist.

Später sitze ich in der Bude mit ihrem kalten Fliesenboden, um ein wenig abzukühlen, bevor es abends quer durch die Stadt geht, zwischen Hochhäusern hindurch, an Supermärkten vorbei, unter einer Autobahn lang, bis in ein Gewerbegebiet noch hinter dem Feria-Gelände, sich einen alten Rocker anschauen, der von kalten Kacheln, azulejos fríos, singt, was auf geradezu gruselige Weise passt.

Nachts ist das mit den Ampeln übrigens noch entspannter; man ignoriert sie einfach und konzentriert sich darauf, vom Gewerbegebiet hinter dem Feria-Gelände unter der Autobahn lang, an Supermärkten vorbei, zwischen Hochhäusern durch wieder heim zu kommen, weil man sich zu fein ist, eine halbe Stunde auf den Bus zu warten, der irgendwann unterwegs an einem vorbei rauscht.

(P.S.: Und wer jetzt tatsächlich die Lyrics von „Azulejo frío“ in Google Translate wirft und dabei ein eher wirres Ergebnis herausbekommt, dem sei gesagt, dass es mir ebenso ging, die Neuübersetzung durch eine des Spanischen mächtige Person aber dasselbe ergab. Sie merkte noch an, dass der Künstlername „El Drogas“ vielleicht nicht ganz zufällig gewählt ist. Ich halte mich da bedeckt, das klingt mir zu judgy.)

Schreibe einen Kommentar