Alte und neuere Steine und die dazwischen und das Wetter

Kognitive Dissonanz ist, wenn die Realität auf einmal nicht mehr mit dem Internet übereinstimmt. Da sitzt man seit drei Stunden in einem Zelt, auf das Regen prasselt, aber so oft man die Wetter-App auch neu startet, behauptet sie immer noch Sonnenschein. Und alle anderen Apps, deren Wetter man anschaut, sagen dasselbe. Ebenso die Google-Suche nach „wetter mystras“. Und auch, als man später in Aldiletten, Shorts und Regenjacke im Nieselregen das Essgeschirr spült, ist angeblich alles eitel Sonnenschein. Aber vielleicht muss man Berichte über Griechenlands Wetter ja mehr wie ein Orakel interpretieren; da gibt es ja auch immer mehrere Lesarten. Und vielleicht ist es auch kein Zufall, dass das nationale meteorologische Institut in Delphi sitzt.

Das sind jedenfalls die Tage, an denen man am besten früh zu Bett geht und hofft, dass beim Aufwachen alles wieder gut ist. Eine Taktik, die eigentlich immer aufgeht. Bei mir zumindest. Menschen mit Problemen im Leben möchte ich sie nicht unbedingt empfehlen.

Einen Tag später sitzt unsereins in der Sonne auf einem Campingplatz mit Blick auf Mystras – oder Μυστράς, wie der Grieche sagt –, das man sich vorhin bei Sonnenschein angesehen hat.
Bei Mystras handelt es sich um neumodischen archäologischen Kram, da die hiesigen Ruinen größtenteils aus dem 14. Jahrhundert sind, was etwas lächerlich anmutet. Zumindest im Vergleich zu sonstigen zerfallenen Städten, die Griechenland bedecken wie ausgegossenes Lego. Die haben normalerweise eher um die zweitausendfünfhundert Jahre auf dem Buckel, einige, wie beispielsweise Mykene, sind sogar noch mal fünfhundert bis tausend Jahre älter.
Wobei man, ehrlich gesagt, zwischen 2.500 und 3.000 Jahren alten Ansiedlungen keine großen Unterschiede entdeckt. Alte ausgebleichte Steine, aufgeschichtet und zusammengefallen.

Hier im 14. Jahrhundert jedoch: Verfallenes, aber sogar noch mit Ikonenmalereien versehen, die zwar aussehen wie halb abgerissene Aufkleber, aber man will ja nicht meckern. Und die Aussicht oben vom Berg ist phantastisch.

Heute zumindest. Gestern, als der Berg in Wolken lag, soll sie nicht so gut gewesen sein, war zu hören. Wie gesagt: An solchen Tagen lieber früh zu Bett gehen und im nächsten Frühtau in der Sonne zu Berge kraxeln. Wobei Frühtau hierzulande mehr sowas wie „zehn Uhr und später“ heißt.

Neumodische Steine in Mystras
Als würde noch gebaut
Wenigstens die Warnschilder sind richtig alt
Ganz super alte Steine in Mykene

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