Das Geheimnis einer guten Urlaubskolumne ist ja, sie an Regentagen zu verfassen. Am Strand liegen will man nicht, baden gehen auch nicht – dabei wird man nur nassgeregnet – und das Schwelgen darin, wie schön es doch an den sonnigen Tagen war, hebt die Laune. Und nun rate man, wie das Wetter heute ist.

Richtig: eher durchwachsen.

In den Morgenstunden zogen Gewitter übers neue Zelt, das in diesen Stunden bewiesen hat, nicht lediglich ein Schönwetterzelt zu sein. Nun ist auch klar, warum die slowenischen Langzeitcamper weiter oben sich gestern Schotter liefern ließen und ihn auch gleich zu einer Art Terrasse ums Vorzelt rum verteilt haben. Auch die Eigenart, Wassergräblein rund ums Zelt zu ziehen, erscheint in einem ganz anderen, sinnvolleren Licht. Heute ist definitiv ein Tag, an dem man die Campingstühle reinräumen sollte, wenn man spazieren geht und in Erinnerungen schwelgt:

Die ganzheitliche junge Dame auf der Nachbarparzelle sitzt vor ihrem Tablet und sagt laut und vernehmlich „Nein“. Mehrmals. Mit Nachdruck. Ich überlege, ob sie vielleicht gerade an einem Onlineseminar zum Thema „Nein sagen lernen, Grenzen setzen“ teilnimmt – zuzutrauen wäre es ihr wohl – oder ob sie im Telefondialogsystem eines Call-Centers unterwegs ist.

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An der anderen Seite der Bucht schiebt jemand schwimmende Wasserrutschen ins Wasser, schubst sie an ihren Platz für die Nacht und vertäut sie. Er zupft hier, er zupft da, schubst noch mal nach, wuselt mit seinem Wasserscooter herum und erinnert dabei an einen Schäferhund, der seine Herde zusammenhält.

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Einen sehnsuchtsvollen Blick wirft der junge Vater auf den VW-Bus des jungen Pärchens – das Gefährt ist alt, ausgebaut, höher gelegt, wildnistauglich – auf dem Nachbarplatz, bevor er zurück zu seinem Modell schleicht, wo Kleinkind und Frau schon auf ihn warten. Vor dem eigenen VW-Bus, auch alt, auch ausgebaut, aber nicht höher gelegt und wohl auch nicht wildnistauglich.

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