Die morgendliche Konsultation der Wetter-App ist eine Freude. Sonnig, 18 Grad (Celsius!), der Tag kann kommen. Während der Morgentoilette keimt dann die sich bald bestätigende Ahnung: In Köln, nicht in New York. Aber hier immerhin auch 10 Grad (Celsius) als Tageshöchstwert, später dann ein wenig Gewitter, bevor die Temperaturen für die nächsten Tage auf 5°C hinuntergehen, nachts sogar ins Minus. Niemand hat gesagt, dass der Urlaub nicht hart wird.

Nach zwei Tagen Manhattan darf ich mich zweifellos als Experten auf diesem Gebiet bezeichnen. Viele Attraktionen hat’s hier, und ich kenne sie alle.

Herausragend: The Vessel, ein haushohes Ding, das ausschließlich aus Treppen besteht. Irgendwo zwischen Kunst, Architektur und sinnlosem Scheiß. Und selbstredend ist bereits seit kurz nach seiner Eröffnung der Zutritt verboten, weil das Ding für die Selbstmörder der Stadt dann doch zu reizvoll war. Aber es glänzt schön in der Sonne!

Ebenfalls phantastisch: Die Central Station, eine Kathedrale der Mobilität. Wohingegen die eigentlichen Kathedralen und Kirchen dieser Stadt zwischen den ganzen Hochhäusern eher untergehen. Oder eher dastehen wie einzelne Disteln im Maisfeld.

Ebenfalls eher bescheiden das Joey-Ramone-Plätzchen. Man würde ja denken, dass man einem der größten Helden der Stadt einen mindestens so kitschig-pathetischen Scheiß widmet wie den Heroen des elften Septembers, doch nein, ein unscheinbares Straßenschild ist alles, was man für Jahrzehnte Rock’n’Roll bekommt. Aber für seine Gerechtigkeit ist dieses Land ja nicht bekannt.

Hochhäuser. Hat’s hier viele. In allen Farben und Formen. Gut, nicht in allen Formen. Meistens sind die Dinger länglich in der Höhe, die wenigsten kommen als Kugeln, Pentagondodekaeder oder ähnliches daher. Aber doch schon so, dass ich sagen würde: deutlich vielfältiger als dir Skyline von Köln oder Velbert. Sie ragen in den Himmel, gebaut wie für die Ewigkeit. Wobei man schon von Exemplaren hörte, die keine dreißig Jahre standen.

An dieser Stelle hätte ich gerne noch mehr über die Skyscraper geschrieben, aber das entsprechende Museum war gestern leider geschlossen. Ein Umstand, dem ich damit begegnete, den Broadway entlangzuschlendern und nach Postkarten zu suchen, was sich als schwieriges Unterfangen herausstellte. Jeder größere deutsche Campingplatz hat mehr und schönere Postkartenmotive zur Auswahl.

Abends, wenn die Sonne langsam versinkt, latscht man über die Brooklyn Bridge. Einmal hin und zurück. Das dauert insgesamt mehr oder weniger eine Stunde. Eher mehr, wenn man es erstmalig tut (weil man dauernd fotografieren muss), eher exakt so viel später. Am besten mit schöner Musik auf den Ohren, denn man ist hier nicht allein. Wie eigentlich überall in Manhattan.

Gut, dass heute Abend dann hoffentlich das Gewitter vorbei ist.

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