In mingem Veedel

Hier im Veedel es wat loss. Oder ist etwas los, um es für die Fremdsprachler da draußen zu sagen. Nachdem die Herbstkirmes mit ihren Autoscootern, ihrem Karussell und ihren Plastikeimern voller schrill gefärbter Zuckerwatte abgebaut ist, steht jetzt der Weihnachtsmarkt. Solide mit Saufbude „Stammtisch“, auf dem Schild der gezeichnete Willy Millowitsch. Dazu singen zwei Männer kölsche Weihnachtslieder zum Band, Glühweinschwaden ziehen über den Wiener Platz (der damals anlässlich des Anschlusses Österreichs ans Deutsche Reich so benannt wurde), zwei Dutzend Meter weiter demonstrieren einige Leute gegen Patriarchat und etwas, das ich vergessen habe. Eine Krähe zerrt ihr Abendessen beiseite (es besteht aus einer, vermutlich vollen, Windel) und vor der Postbank stehen verzweifelte Menschen, weil diese mit Sperrholz verbarrikadiert ist. Es gab vor Kurzem eine Automatensprengung, die den Vorraum der Filiale wohl ziemlich verwüstet hat. Und bei der die (bereits gefassten) Herren Sprengmeister den Kontoauszugsdrucker- statt den Geldautomaten erwischt habe. Vermutlich eine Fehlsprengung; aber vielleicht wollten sie es ja so.

Fun fact am Rande: Teile von Leverkusen und Mülheim am Rhein teilen sich einen Wahlbezirk, unser gemeinsamer Abgeordneter derzeit ist der Gesundheitsminister. Insofern musste unsereins die Heimat sozusagen gar nicht verlassen, um sich EA80 in Opladen anzuschauen. Das Publikum ein wenig träge; nur alte Menschen, ich vermisse die Rucksackpunker früherer Tage. Und als Vorband: The Jackson Pollock. Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich mich diese halbe Stunde gemacht hat. Ein Typ spielt Gitarre, eine Frau singt ein wenig, trommelt sich aber vor allem die Seele aus dem Leib. Die Antwort darauf, warum Ugh, der Steinzeitmensch, damals auf einen Baumstamm draufhaute und damit die Musik erfand. Es gibt Internetvideos der Formation, aber die geben es höchstens ansatzweise wieder. Unbedingt anschauen, wenn die in der Gegend sind!

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