Post vom Stromanbieter, irgendwas mit einem mehrstelligen Betrag drin. Erst nachdem ich mich seufzend ins Online-Banking eingeloggt habe, bemerke ich, dass nicht er von mir, sondern ich von ihm Geld bekomme, welches er mir demnächst aufs Konto zu überweisen gedenkt. Auch so etwas, womit man in diesen Zeiten nicht unbedingt rechnet.
Das Geld will natürlich direkt durch den Ofen gejagt werden, also beschließe ich, etwas dagegen zu tun, dass mir kalt ist. Obwohl das Thermometer zwanzig Grad Raumtemperatur anzeigt. Wagemutig drehe ich den Thermostaten auf „Mond“, und kurze Zeit später glüht der Heizkörper wie ein Einer Ring im Fügungshügel. Dies, der aktuelle Wetterbericht und die Tatsache, dass meine Fingerspitzen langsam aufwärmen, lassen die Vermutung aufkommen, dass ich vielleicht mal das Thermometer ersetzen sollte.
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Schräg gegenüber hat ein Schwachkopf passend zum Tag Der Deutschen Einheit eine Fahne rausgehängt. Ein Ärgernis, welches man früher rustikal mit einem Molli ausgebrannt hätte, aber heutzutage geht das dummerweise nicht mehr so einfach. Einerseits, weil die Sprit-Preise das zu einem teuren Vergnügen machen würden; andererseits, weil man ja nicht weiß, ob da drüben („drüben“ – ha!) eine nationalistische Rassistensau ihre Ausländerfeindlichkeit auslebt, oder ob jemand frisch Eingebürgertes sich einfach nur freut, nun im Besitz einer wirklich nützlichen Staatsbürgerschaft zu sein. Es ist schon ein Kreuz mit der Zuwanderung, sie bringt alle Gewissheiten durcheinander.
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Das Konzert der Woche bereiten The Guilt. Dance-Punk (oder wie man es nennen will). Der Sonic Ballroom so gut gefüllt, dass sich von der Bühne aus mehrfach erkundigt wird, ob wir denn wüssten, dass Dienstag, also mitten unter der Woche, sei. Zwei Frauen machen Bollerdance mit verzerrter Elektrogitarre und Laptop und Gesang und Turnübungen, das Publikum tanzt, und der einzige Unterschied zu den üblichen Punk-Konzerten ist, dass sich beim Tanzen nicht rumgeschubst wird. Super!
Als unsereins am Freitag direkt wieder abdancen will, fällt der Auftritt von 100 Blumen an selber Stelle aus. Stattdessen schaue ich mir erst die Cellophane Suckers ein paar Eckkneipen weiter an, und zwar mit Vergnügen. Ist zwar nicht wirklich meine Musik – ich bin ja mehr so Popper –, aber die rocken schon ziemlich, wenn mir als Laien diese Klassifizierung erlaubt ist.
Guterweise ist das Konzert so gegen 21.45 Uhr beendet – um 21.35 kommen noch die letzten Menschen mit Vorverkaufskarten, was einem ja schon ein wenig wehtut –, anschließend latsche ich zum Sonic Ballroom und lasse mich an der Außentheke von einem Groupie vollschleimen. Was hoffentlich keine Folgen haben wird.
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Neuer Herbst, neue Zoo-Dauerkarte. Im Sommer mag man das Gelände ja kaum betreten. Nicht nur, weil Sommerzoos zur Völle neigen, sondern auch, weil es in der kühlen Jahreszeit mehr Freude bereitet, eingesperrten Tieren zuzuschauen. Am liebsten bei ganz leichtem Niesel, der aus grauen Wolken fällt.
Die Dame an der Kasse erzählt begeistert, dass das Tropenhaus nach dem Brand neulich wieder offen sei. Ein Besuch desselben (also: des Tropenhauses, nicht des Feuers) zeigt dann, dass Flammen nicht nur Sachschaden anrichtet; jedenfalls ist das Gebäude regelrecht von Tieren entvölkert. Da sieht man, warum man Tiere nicht einsperren sollte. Im brasilianischen Dschungel wäre das sicher nicht passiert.
