Stehen an der Straßenecke im Touristenviertel von Kathmandu. Die Spiegelreflexkamera um den Hals und innen drin die klammheimliche Freude, nur wie ein Tourist auszusehen, aber keiner zu sein; unsereins ist schließlich auf Geschäftsreise.
Landung sechs Uhr morgens, danach zwei Stunden Formalitäten, die größtenteils aus Anstehen bestehen. Erst an einem Automaten, in den kommen die Daten: Name, Passnummer etc.pp. Davon erstellt man einen Screenshot – per Handykamera. Damit stellt man sich am Schalter an, wo man gegen 50 Euro ein Touristenvisum erhält, welches man dann – nach weiterem Anstehen – einem freundlichen Einreisebeamten vorzeigt. Zwei Daumenabdrücke und ein Porträtfoto später ist man offiziell eingereist, stellt sich aber erst einmal am Stand des örtlichen Mobilfunkanbieters an, weil man noch eine örtliche Handykarte braucht, die einem auch direkt eingerichtet wird. 40Gb Datenvolumen für einen verschrumpelten Appel und ein angeknackstes Ei. Ich habe jetzt eine nepalesische Telefonnummer. Wer mich anrufen will, darf sie gerne erfragen. Die Kosten des Gesprächs trägt der Anrufer.
Viel Anstehen also, nur nicht für die Koffer; die stehen bereits irgendwo im Flughafen am Weg nach draußen und warten.
Es sind Feiertage, und der Verkehr ist nicht weiter wild. Gewöhnungsbedürftig für uns Mitteleuropäer ist erst einmal der Linksverkehr. Und, dass sich niemand daran hält. Nun, im Prinzip schon so ein bisschen, aber da sich Autos, Fußgänger und vor allem motorisierte Zweiräder hier die Fahrbahn teilen, wäre es sowieso illusorisch, auf ein Linksfahrgebot zu bestehen; man fährt (und geht) da, wo Platz ist.
Das klappt super, tatsächlich werde ich innerhalb von zwei Tagen nur einmal von einem Motorrad touchiert. – Aber, wie erwähnt: Feiertage. Ich werde demnächst berichten, wie es sich an Werktagen verhält. Falls Ihr nichts mehr von mir hört, hat sich der Alltagsverkehr als weniger entspannt herausgestellt.
Alles hier ist sehr entspannt. Man spaziert unter einem Dach, geflochten aus Stromkabeln, durch die Stadt und die meisten Leute lassen einen in Ruhe. Und die, die man selbst nicht in Ruhe lässt, sind freundlich. Das Essen ist günstig und lecker, wenn man als europäische Zimperliese darauf verzichtet, Salat und ungeschälte Rohkost zu essen. Und aus der Wasserleitung zu trinken.
Eigentlich das ideale Urlaubsland, gäbe es hier ein Meer.










