Erster Sozialkontakt nach der Landung am Dhaka International Airport: In der Schlange am Einreiseschalter spricht mich die Frau vor mir, bis auf die Augenpartie verhüllt, an. Sie wolle kurz beten gehen, ob ich nicht ihren Platz in der Schlange freihalten könne. Trotz arger Bedenken, was Religionen angeht, erkläre ich mich dazu bereit. Unsereins ist ja fremd in diesem Land, da zeigt man sich von seiner besten Seite. Nach einigen Minuten ist sie auch wieder da. Entweder sie oder ihre Zwillingsschwester. Jedenfalls hat sie dieselben Augen. (Oder die gleichen, falls es wirklich eine Zwillingsschwester war.)

Zweiter Sozialkontakt (vom Einreisebeamten abgesehen; ebenso von den beiden Menschen in der Wechselstube; und von dem Typen, der einem eine örtliche Simkarte verkauft und einsetzt) ist dann der Herr, der mich zu meinem Prepaid-Taxi bringt. Woher ich denn komme. „Ah, German. You know Hitler?“

Ich hätte mich wohl besser als Niederländer ausgegeben. Oder als Pole, wobei das auch wieder einen Haken gehabt hätte, nämlich den, dass Hitler bekanntlich Pole war, wie mir der Herr anschließend erzählt. Man lernt nie aus und Reisen bildet. Ich denke, der Führer wäre begeistert gewesen, hätte man ihn für einen Polen gehalten. Als der Mann dann erklärt, wie toll Hitler doch gewesen sei, bricht in mir dann aber doch der Antifaschist durch, ich lasse alle Höflichkeit fahren und verziehe das Gesicht und unterstreiche meinen Widerwillen noch mit einer zweifelnden Handgeste. Zum Glück kommt endlich das Taxi.

***

Eine gute Stunde zum Hotel, und abgesehen davon, dass der Wagen nicht vergittert ist und niemand uns mit Dingen bewirft, erinnert die Szenerie an die Fahrt aus der „Klapperschlange“. Es ist dunkel, grelle Scheinwerfer werfen Schlaglichter, wir rasen in einem Meer aus Blech, Autos, Bussen und Rikschas über die mehrspurige Straße. Und mit „Meer“ meine ich an dieser Stelle keinen Pazifik an einem ruhigen Tag, sondern eher eine Sturmflut an den Küsten Cornwalls. Verkehr voll von Strudeln, Hindernissen und Beinahe-Kollisionen. Aber eben: nur beinahe. Die Menschen hier beherrschen ihre Fahrzeuge, dies ist Dressur-, nicht Galopprennen.

Aber es gibt auch ruhige Momente, wenn der Stau von Dhaka zuschlägt. Ruhig im Sinne der Fortbewegung, gehupt wird weiterhin eifrig. Dann bekommt man auch die Straßenhändler zu sehen. Ganze Möbelgeschäfte sind auf den Bürgersteigen aufgebaut, viele Händler sind mit Handkarren vor Ort, dazwischen schlängeln sich Passanten oder bestellen gar Essen an einer der vielen – nunja: – Garküchen.

Die Fahrt endet mit Gerumpel durch eine ruhige Seitenstraße. Ruhig für hiesige Verhältnisse. Ein bis zwei Hunde, einige kleine offene Läden, hier und da eine kleinere Ansammlung von Müll und andere Verkehrsteilnehmer, die man zur Seite hupen muss.

Im Hotel dann Treffen mit den Kolleginnen und anschließend Ruhe im Hotelzimmer. Im Hintergrund rauscht und hupt die Stadt vor sich hin, öfters hört man Sirenen, wohl, weil in der Nähe viele Krankenhäuser sind. Nichts, wozu man nicht schlafen könnte, bis einen der Ruf des Muezzins um fünf Uhr nochwas, vermutlich pünktlich zum Sonnenaufgang, weckt. Ein infernalisches Geheul, das verboten oder zumindest auf einen deutlich späteren Zeitpunkt verschoben gehört. Ich gehe morgen mal in der Moschee vorbei und rege das an. Falls mich da überhaupt jemand versteht.

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