Sitze im Bus Richtung Norden, Richtung Meer. Noch geht es durch die Ausläufer Lissabons, allerdings wird sich das bald ändern; es sind keine anderthalb Stunden bis zum Ziel.
Was soll man über Lisboa groß schreiben, wenn man vorher in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka war? Nicht, dass Lissabon nicht in allen Belangen, schöner und angenehmer wäre, so aus meiner langweiligen westeuropäischen Sicht. Aber besonders originell ist es auch nicht, eine Woche hier verbracht zu haben. Zumindest nicht so originell, wie in Dhaka gewesen zu sein.
Im Mini-Mercado an der Ecke (bildlich gesprochen; in Wahrheit befindet sich der Laden ungefähr in der Mitte einer Häuserzeile) gibt es das übliche Gespräch über Zahlen. Nachdem wir den Zahlbetrag auf Portugiesisch durchgegangen sind und ihn zur Sicherheit nochmal auf Englisch verifiziert haben, fragt mich der Mensch an der Kasse, woher ich käme. Worauf wir uns die nächsten Minuten über die dumme deutsche Eigenart, die letzte Ziffer mehrstelliger Zahlen vor die vorletzte zu ziehen („vier Euro neun und zwanzig“), aufregen. Und das zu Recht.
Er selbst komme aus Bangladesch, sagt er dann. Ob ich Bangladesch kenne?
Mein großer Auftritt.
Ja, da sei ich vor etwa zwei Wochen noch gewesen. Schönes Land, auch wenn ich nur den Norden gesehen hätte, aber die Hauptstadt, er möge mir verzeihen, habe mir eher nicht so gut gefallen, sehr noisy dort und so, da zöge ich Lisboa doch vor, deshalb ja der Urlaub hier.
Er kann meine Meinung nur etwa halbwegs nachvollziehen; Dhaka sei doch schon viel, viel besser geworden in den letzten Jahren (Worauf ich mir nur, man verzeihe diese Phrase, denke: OMG!). Aber doch, alles in allem sei Lissabon ja doch auch schön. Und dann dankt er mir noch ausführlich dafür, dass ich Business mit seinem Land treibe. Aus irgendwelchen Gründen sind die Bangladeschis diesbezüglich immer sehr dankerfüllt. Da weiß man doch, wofür man Krempel um die halbe Welt transportiert: um dafür angebetet zu werden.
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Lisboa sonst so: wie vor der Pandemie. Man kann den ganzen Tag einfach nur Spazieren gehen, hügelauf und hügelab, und langweilt sich nicht. Überall Bauten, mal prächtig, mal weniger prächtig, mal mehr, mal weniger verfallen, an jeder zweiten Straßenecke könnte man jauchzen vor Glück. Es ist überhaupt nicht nötig, für eine der teuren Sehenswürdigkeiten Eintritt zu bezahlen, vom Castelo de São Jorge mal abgesehen. Die Portugiesen sind freundlich und erfreut, wenn man sich für ihre Sprache interessiert. Oder zumindest so tut. So viel anders als in Dhaka ist Lisboa eigentlich gar nicht. Nur sauberer, ruhiger, entspannter, ungefährlicher und in allen Belangen angenehmer.
Und wenn sich jemand fragt, warum ich hier ständig statt „Lissabon“ „Lisboa“ schreibe: Damit hier auch jeder versteht, warum ich das Wassertaxi mit der Aufschrift „Lisboat“ so toll fand.











