Ich bin einfachen Gemüts, wie den meisten hier Lesenden bereits aufgefallen sein dürfte. Man reiche mir einen Felsen und ein Meer, und ich kann stundenlang dort sitzen und glücklich sein.
Momentan gehe ich dieser Lieblingsbeschäftigung in Peniche, knapp anderthalb Busstunden nördlich von Lissabon, auf einer Halbinsel im Atlantik gelegen, nach. Hier siedelte man bereits zu Zeiten der Neandertaler, was den Eingangssatz vielleicht noch verstärkt.
Es ist ein unaufgeregtes, aber kein wirklich schönes Städtchen. Zwar hat es eine alte Mauer samt Fort, aus Zeiten, als Portugal noch eine Weltmacht war, doch ist dieses Bollwerk, nunja, nur eine Mauer. Vielleicht würde ich Mauern mehr schätzen, wenn ich Chinese wäre, aber als Deutscher kann ich diese Bauten natürlich nur ablehnen. Dann gibt es da noch olle Sakralbauten, die eher unter Gotteslästerung firmieren, aber dafür wirklich alle Supermärkte, die es so braucht. Dazu liegt, je nach Windrichtung, der Geruch von Meer oder Sardinen über dem Ort; Peniche produziert die zweitmeisten Dosensardinen des Landes.
Aber die Lage! Was man hier wirklich gut machen kann, ist, um die Halbinsel laufen. Klippen, wohin man nur blickt. Und wenn man den Blick hebt, Meer, wohin man nur blickt. Und fiese Stolpersteine, weswegen man ihn besser wieder senkt, damit man nach einigen Dutzend Meter Fall auf einmal gar nichts mehr blickt.
Dann gibt es viele Schilder, die auf Historisches hinweisen, mit denen sich jemand viel Mühe gegeben hat, die dem Ort aber natürlich ein wenig das Geheimnisvolle nehmen, weil sie quasi alles erklären.
Die einzige Frage, die sie offen lassen, ist eigentlich, wem das Auto mit dem Duisburger Kennzeichen und dem DJÄZZ-Aufkleber gehört, das gestern hier am Wegesrand stand.
Vielleicht ja jemandem, der gerade auf einer Klippe sitzt und glücklich ist.









