Nach den Weltladen-Fachtagen, sozusagen dem Ruhrpott Rodeo der Weltladen-Szene (alle Szenegrößen performen aufs Heftigste, und es sind eigentlich immer dieselben), die wie immer in Bad Hersfeld stattfinden, bespaßt man den Papierproduzenten, den man anlässlich dieser Fachmesse eingeflogen hat. Mittlerweile ist man in Köln, und als Erstweltler zeigt man es dem armen Wicht mal so richtig: Wie schön man es hier hat. Wie geil hier alles ist. Und sauber. Wie sehr Kathmandu nicht mit Köln mithalten kann. Erstwelt = erstklassig.
Teilweise klappt das auch. Der Dom entlockt dem Gast ein beeindrucktes „Oh, it’s big!“. Die Currywurst schmeckt. Das Hotelzimmer, das man ihm gebucht hat, ist schön und vor allem tatsächlich vorhanden. Da kann man offensichtlich auch nie sicher sein in diesem Lande; auf der Messe waren einige Besucher, die über ein großes Booking-Internetportal Zimmer in dem nagelneuen Haus einer großen Hotelkette gebucht hatten, aber dann von den Handwerkern, die mit dem Hotel noch nicht fertig waren, nicht reingelassen wurden. Und sehen konnten, wo sie blieben.
Was eine gute Rückleitung zur Kölner City am Sonntagnachmittag ist, wo man durch die Hohe Straße schlendert, an Obdachlosen entlang, die vor leer gähnenden Schaufenstern dahinvegetieren. Ein Hauch von Skid Row umweht uns.
Später in Ehrenfeld bewundert man die Müllhaufen, mit denen das Wochenend-Partyvolk seinen Festzug markiert hat, schaut sich im Sonic Ballroom einen Menschen an, der mit Gitarre und Mikrofon vor einer Tischtennis spielenden Meute performt, und landet schließlich im nepalischen Restaurant am WDR-Funkhaus, wo sowohl Gast als auch Wirtspaar offensichtlich erfreut sind, endlich mal wieder in einer vernünftigen Sprache sprechen zu können.
Zum Abschluss des Tages geleitet man den Gast zurück zum Hotel, mit einem kurzen Zwischenstopp in einem Kiosk, wo die Scanner-Kasse nicht funktioniert und die Bedienung telefonieren muss, um die Preise herauszufinden. Das habe ich in Kathmandu so auch noch nicht erlebt.
Nun gut. Heute dann zweiter Tag Bespaßung. Geplant sind ein Zug durch die Innenstadt, Betrachtung des Doms von innen und dann mal sehen. Bei den großen Augen, die gestern angesichts meiner Plattensammlung gemacht wurden, wird es wohl ein eher gemütlicher Nachmittag mit abschließendem Konzert im Limes hier ums Eck.
Vielleicht kriegt man den Gast ja doch noch beeindruckt. Man hat ja einen Ruf zu verlieren.
