Ob denn schon wieder Karneval ist, fragt sich unsereins, je näher er dem Vatikan kommt. Bis einem die Idee kommt, dass es sich bei der Gruppe da vorne in den Bruder-Tuck-Kostümen eventuell um echte Pilger oder Priester oder sonstige Geblendete handelt.

Blendend auch das Wetter. Der Petersplatz liegt in grellem Sonnenlicht und ist rund wie das Ziffernblatt einer Uhr. Die Schlange vor dem Petersdom zieht sich drei Viertel um den Platz. Man stellt sich an und siehe da: Nach einer Dreiviertelstunde ist man dann auch im Dom. Zufall? Gott würfelt nicht. Schon gar nicht die Wartezeiten.

Als Kölner, als der man ja immerhin ein Dom-Experte ist, kommt man sich im Inneren des Petersdomes schon in etwa so schäbig vor wie die heimische Domplatte. Formulieren wir es mal so: Wenn der Petersdom der Champions-League-Sieger unter den Kathedralen ist, ist der heimische Dom nur der 1. FC Köln.

Im Inneren der römischen Kathedrale Marmor, Gold, *sehr* hohe Decken, Marmor, viele Menschen, ein Kabuff, wo ein Priester Segen am Fließband spricht, und noch mehr Gold. Gold, das fast so sehr blendet wie die Sonne, wenn man die Kirche wieder verlässt.

Wenig später, bereits wieder auf der anderen Seite des Tibers (das ist der hiesige Rhein), ruft mir ein Uniformierter mit Maschinenpistole in den Händen zu, ich solle sofort stehenbleiben. Was ich auch tue und mich dabei frage, was der wohl will. Offensichtlich dafür sorgen, dass ich nicht von einer Limousine überfahren werde, die gerade von einem Ministeriumshof geschossen kommt. Hinterher bedankt der Mann sich auch noch freundlich. So viel Fürsorge im Straßenverkehr ist hier echt selten, normalerweise wird man beinaheüberfahren und dabei noch angehupt. Da schimpfe nochmal jemand auf das Militär.

Foto: Menschen zwischen Schrift und Fenstern.

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