Der junge Mann sprach mich im Touristenviertel an und versicherte als erstes, dass er kein guide sei. Dann wurde es schnell persönlich. „Where are you from?“. „I am from India and learn how to teach. I’m a buddhist.“ Alter wurden ausgetauscht, mir wurden Komplimente ob meines wesentlich jüngeren Aussehens gemacht und dann stellte sich heraus, dass irgendein Feiertag sei, an dem Buddhisten für die Armen zu spenden pflegen. Und er wolle „no money“ von mir, denn das mache „bad karma“. Stattdessen sollten wir zu einem supermarket spazieren, wo ich dann ein wenig Reis oder so für die Armen und Unterprivilegierten kaufen sollte. Aber: No Money! Weil: Das bringt schlechtes Karma.

Als ich gerade überlegte, wie ich die sympathische Nervensäge wieder loswürde, stürmte ein älterer Herr, dem Kleidungsstil nach zu urteilen Buddhist, dazwischen, erklärte mir „you can go“ und winkte mich hinfort, bevor er sich meinem indischen Gesprächspartner zuwandte. Ich weiß nicht, worüber sie anschließend sprachen, vermutlich über Karma.

Der Himmel blau, ich stehe da und schaue die paar Meter hinunter zum Fluss, Qualm zieht mir in Klamotten und Haare.

Unten am Fluss, einer eher trüben Brühe, sind einige Männer zugange. Holz ist aufgeschichtet, ein Haufen brennt anscheinend schon länger, nun wird der nächste Haufen aufgebaut.

Sie tragen ihre Last heran, in Tücher eingewickelt, heben sie an, gehen mit ihr einige Male um den Holzstoß herum, bevor sie sie auf diesen legen. Vom Haufen daneben zieht mir weiter Qualm ins Gesicht. Ich werde duschen müssen, wenn ich zurück im Hotel bin.

Nun wickeln die Männer ihre mickrige Last teilweise aus, das Gesicht des Toten kommt zum Vorschein. Es wird ein wenig bemalt. Zehen werden berührt. Holzklötze werden auf die Beine geschichtet. Zum Schluss wird Stroh in dicken Lagen über die Leiche gebreitet und das Werk wird angezündet und beginnt ebenfalls zu qualmen, so wie der Haufen daneben.

Auch der Qualm von diesem Feuer zieht mir in Klamotten und Haare. Ich werde *dringend* duschen müssen, wenn ich wieder im Hotel bin. Und die Klamotten waschen wohl auch.

Der Stupa in Bodnath ist etwa 36 Meter hoch, sagt Wikipedia, und die halbrunde Kuppel hat etwas von einem Kernkraftwerk, sage ich. Allerdings bereits im 5. Jahrhundert erbaut, und damit deutlich langlebiger als ein Kernkraftwerk; zumindest als ein deutsches. Und er guckt grimmig.

Ein Stupa ist ein buddhistisches Heiligtum, und die religiöse Praxis besteht hauptsächlich darin, um ihn herumzuspazieren. Im Uhrzeigersinn. Dabei dreht man ab und an eine der kleinen Drehtrommeln, die in die Wände eingelassen sind. Vor allem im Abendgrauen sind viele Menschen unterwegs (im Morgengrauen angeblich auch – da bin ich allerdings mit Anderem, beispielsweise Schlafen beschäftigt, falls die Straßenköter nicht ausgerechnet direkt unter meinem Fenster kläffen), es breitet sich eine ruhige, entspannte Atmosphäre aus, die sich von einer der rumstehenden Sitzbänke aus gut anschauen und sogar genießen lässt.

Man sitzt da, schaut der vorbeiziehenden Menge zu und wundert sich ab und an, dass der Strom an Menschen nicht versiegt, bis einem wieder auffällt, dass es immer dieselben Leute sind, die im Kreis gehen, einer endlosen Prozession gleich. Ob die Worte Stupa und stupide zusammenhängen, weiß ich nicht, „meditativ“ ist vielleicht das freundlichere Wort für diesen Brauch.

Irgendwann gehen dann aber doch alle heim, die Reihe lichtet sich, und man selbst setzt sich ins nächste Restaurant ab. „Utpala“, drei Currys und Berge von Naan sowie Säfte für zwei Personen ungefähr zwölf Euro. Also eher Edelrestaurant. Sitzen im Freien, alkoholfrei.

Stehen an der Straßenecke im Touristenviertel von Kathmandu. Die Spiegelreflexkamera um den Hals und innen drin die klammheimliche Freude, nur wie ein Tourist auszusehen, aber keiner zu sein; unsereins ist schließlich auf Geschäftsreise.

Landung sechs Uhr morgens, danach zwei Stunden Formalitäten, die größtenteils aus Anstehen bestehen. Erst an einem Automaten, in den kommen die Daten: Name, Passnummer etc.pp. Davon erstellt man einen Screenshot – per Handykamera. Damit stellt man sich am Schalter an, wo man gegen 50 Euro ein Touristenvisum erhält, welches man dann – nach weiterem Anstehen – einem freundlichen Einreisebeamten vorzeigt. Zwei Daumenabdrücke und ein Porträtfoto später ist man offiziell eingereist, stellt sich aber erst einmal am Stand des örtlichen Mobilfunkanbieters an, weil man noch eine örtliche Handykarte braucht, die einem auch direkt eingerichtet wird. 40Gb Datenvolumen für einen verschrumpelten Appel und ein angeknackstes Ei. Ich habe jetzt eine nepalesische Telefonnummer. Wer mich anrufen will, darf sie gerne erfragen. Die Kosten des Gesprächs trägt der Anrufer.

Viel Anstehen also, nur nicht für die Koffer; die stehen bereits irgendwo im Flughafen am Weg nach draußen und warten.

Es sind Feiertage, und der Verkehr ist nicht weiter wild. Gewöhnungsbedürftig für uns Mitteleuropäer ist erst einmal der Linksverkehr. Und, dass sich niemand daran hält. Nun, im Prinzip schon so ein bisschen, aber da sich Autos, Fußgänger und vor allem motorisierte Zweiräder hier die Fahrbahn teilen, wäre es sowieso illusorisch, auf ein Linksfahrgebot zu bestehen; man fährt (und geht) da, wo Platz ist.

Das klappt super, tatsächlich werde ich innerhalb von zwei Tagen nur einmal von einem Motorrad touchiert. – Aber, wie erwähnt: Feiertage. Ich werde demnächst berichten, wie es sich an Werktagen verhält. Falls Ihr nichts mehr von mir hört, hat sich der Alltagsverkehr als weniger entspannt herausgestellt.

Alles hier ist sehr entspannt. Man spaziert unter einem Dach, geflochten aus Stromkabeln, durch die Stadt und die meisten Leute lassen einen in Ruhe. Und die, die man selbst nicht in Ruhe lässt, sind freundlich. Das Essen ist günstig und lecker, wenn man als europäische Zimperliese darauf verzichtet, Salat und ungeschälte Rohkost zu essen. Und aus der Wasserleitung zu trinken.

Eigentlich das ideale Urlaubsland, gäbe es hier ein Meer.

Nationalfeiertag

Post vom Stromanbieter, irgendwas mit einem mehrstelligen Betrag drin. Erst nachdem ich mich seufzend ins Online-Banking eingeloggt habe, bemerke ich, dass nicht er von mir, sondern ich von ihm Geld bekomme, welches er mir demnächst aufs Konto zu überweisen gedenkt. Auch so etwas, womit man in diesen Zeiten nicht unbedingt rechnet.

Das Geld will natürlich direkt durch den Ofen gejagt werden, also beschließe ich, etwas dagegen zu tun, dass mir kalt ist. Obwohl das Thermometer zwanzig Grad Raumtemperatur anzeigt. Wagemutig drehe ich den Thermostaten auf „Mond“, und kurze Zeit später glüht der Heizkörper wie ein Einer Ring im Fügungshügel. Dies, der aktuelle Wetterbericht und die Tatsache, dass meine Fingerspitzen langsam aufwärmen, lassen die Vermutung aufkommen, dass ich vielleicht mal das Thermometer ersetzen sollte.

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Schräg gegenüber hat ein Schwachkopf passend zum Tag Der Deutschen Einheit eine Fahne rausgehängt. Ein Ärgernis, welches man früher rustikal mit einem Molli ausgebrannt hätte, aber heutzutage geht das dummerweise nicht mehr so einfach. Einerseits, weil die Sprit-Preise das zu einem teuren Vergnügen machen würden; andererseits, weil man ja nicht weiß, ob da drüben („drüben“ – ha!) eine nationalistische Rassistensau ihre Ausländerfeindlichkeit auslebt, oder ob jemand frisch Eingebürgertes sich einfach nur freut, nun im Besitz einer wirklich nützlichen Staatsbürgerschaft zu sein. Es ist schon ein Kreuz mit der Zuwanderung, sie bringt alle Gewissheiten durcheinander.

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Das Konzert der Woche bereiten The Guilt. Dance-Punk (oder wie man es nennen will). Der Sonic Ballroom so gut gefüllt, dass sich von der Bühne aus mehrfach erkundigt wird, ob wir denn wüssten, dass Dienstag, also mitten unter der Woche, sei. Zwei Frauen machen Bollerdance mit verzerrter Elektrogitarre und Laptop und Gesang und Turnübungen, das Publikum tanzt, und der einzige Unterschied zu den üblichen Punk-Konzerten ist, dass sich beim Tanzen nicht rumgeschubst wird. Super!

Als unsereins am Freitag direkt wieder abdancen will, fällt der Auftritt von 100 Blumen an selber Stelle aus. Stattdessen schaue ich mir erst die Cellophane Suckers ein paar Eckkneipen weiter an, und zwar mit Vergnügen. Ist zwar nicht wirklich meine Musik – ich bin ja mehr so Popper –, aber die rocken schon ziemlich, wenn mir als Laien diese Klassifizierung erlaubt ist.

Guterweise ist das Konzert so gegen 21.45 Uhr beendet – um 21.35 kommen noch die letzten Menschen mit Vorverkaufskarten, was einem ja schon ein wenig wehtut –, anschließend latsche ich zum Sonic Ballroom und lasse mich an der Außentheke von einem Groupie vollschleimen. Was hoffentlich keine Folgen haben wird.

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Neuer Herbst, neue Zoo-Dauerkarte. Im Sommer mag man das Gelände ja kaum betreten. Nicht nur, weil Sommerzoos zur Völle neigen, sondern auch, weil es in der kühlen Jahreszeit mehr Freude bereitet, eingesperrten Tieren zuzuschauen. Am liebsten bei ganz leichtem Niesel, der aus grauen Wolken fällt.

Die Dame an der Kasse erzählt begeistert, dass das Tropenhaus nach dem Brand neulich wieder offen sei. Ein Besuch desselben (also: des Tropenhauses, nicht des Feuers) zeigt dann, dass Flammen nicht nur Sachschaden anrichtet; jedenfalls ist das Gebäude regelrecht von Tieren entvölkert. Da sieht man, warum man Tiere nicht einsperren sollte. Im brasilianischen Dschungel wäre das sicher nicht passiert.

Konzert von Die Liga der Gewöhnlichen Gentlemen, ich treffe auf einen Menschen aus einer Stufe drüber, den ich seit seinem Abitur vor etwa dreißig Jahren nicht mehr gesehen habe. Er: „Wir haben uns ja seit 30 Jahren nicht mehr gesehen!“ – Ich: „Stimmt. Und damit sind wir ja eigentlich ganz gut gefahren, nicht wahr?“ Hoffen wir mal, dass dieser charmante Scherz auch als solcher aufgefasst wurde.

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Großes Geschrei im Supermarkt. Ein Herr war in einen Stapel Einkaufskörbe gekippt, kam nicht mehr hoch, und der Herr neben ihm rief nach Hilfe. Die auch sofort in Form von drei Mitgliedern des Verkaufspersonals angestürmt kam, was wirklich vorbildlich war.

Es wurde sich um den Mann gekümmert, eine Supermarktmitarbeiterin lief auch sofort in die Getränkeabteilung, eine Flasche Wasser (still) zu holen. So weit alles so, wie man sich das wünscht. Dass sie mit der Flasche allerdings als allererstes zur Kasse rannte, um sie von der Kassenkraft ausbongen zu lassen, irritiert mich jetzt noch.

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Zurück vom Kiosk, eine Tüte Chips und eine Flasche Club Mate in der Hand, treffe ich auf eine Nachbarin. Sie sieht den Einkauf und fragt prompt: „Bist Du Hacker?“ So einfach ist das also.

Ich erzähle die Wahrheit, erzähle, dass ich zwar auch so Computerscheiß für meinen Arbeitgeber mache, aber kein Hacker sei. Selbstverständlich tue ich dies in einem Ton, der auch eine geheime Hackerkarriere nicht ausschließt. Ein wenig gefährlich zu wirken, ist ja nie falsch.

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Ich sage „Danke“ für die vielen Geburtstagsglückwünsche, die mich dieses Jahr auf allen möglichen Kanälen erreicht haben; ich habe jeden einzelnen davon gehasst.

Ich frage mich, was in Menschen vorgeht, die andere Menschen zum Geburtstag beglückwünschen. Sie darauf hinweisen, dass sie wieder ein Jahr älter und somit mehr als doppelt so alt sind, wie es ihr großes Idol (Sid Vicious) überhaupt geworden ist. Sie darauf hinweisen, dass sie so viel älter geworden sind als die vielen Drittweltbabys, die nicht mal ihr erstes Jahr überleben. Sie darauf hinweisen, dass sie das Elend dieser Welt immer noch nicht hinter sich haben.

Es ist ja nicht so, dass der eigene Geburtstag ein Anlass zum Jubel wäre. Vor der Geburt, da hatte man es gemütlich. Man hatte Leute, die sich um das Wohlergehen kümmerten. Schön war das. Seit der Geburt hat man nicht mal mehr eine Nabelschnur, die einen mit dem Nötigsten versorgt. Alles muss man selbst machen.

Tag für Tag nur atmen, essen, trinken – das Leben ist eine einzige Qual. Ach was, eine einzige: Es besteht aus tausenden von Qualen. Und das Tag für Tag.

Geburtstagsgrüße – wenn ich die schon höre. Geburtstagsgrüßen darf nur Mama, die hat sich das verdient, die lag stundenlang in den Wehen. Wobei die einem die Scheiße namens Leben erst eingebrockt hat. Doofe Kuh. Geburtstag, das ist der Tag, an dem die eigene Mutter einen zum ersten Mal rausschmiss. Ein Grund zum Feiern? Eher nicht.

Aber vielleicht waren die ganzen Grüße ja bloß gehässig gemeint. Dann will ich nichts gesagt haben.

Die Leute sollten nicht in den Urlaub fahren dürfen.

Seit gestern piepst es. Als Ursprungsort habe ich ein Gebäude schräg gegenüber im Verdacht, und als Urheber einen Wecker. Von meiner kleinen Blumenwiese aus stelle ich mir natürlich vor, dass da jemand den Wecker, den er gestellt hat, um rechtzeitig seinen Urlaubsflieger zu erwischen, nicht ausgemacht hat, und hoffe, dass die Schrei-Uhr batterie- und nicht netzbetrieben ist, damit das Generve irgendwann ein Ende hat; denn noch haben wir nicht Winter und nicht ständig Stromausfälle, weil alle gleichzeitig ihre Heizlüfter anwerfen.

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Es war klar, dass da etwas Unglaubliches, ja Unerhörtes geschah. Die Gewitter über dem Kanal zeigten es nur zu deutlich. Und tatsächlich: Am Donnerstag war dat Lisbeth tot.

Gewitter sind Boten von Schlimmem, und neben dem Tod einer steinalten Britin künden sie vor allem von schlechtem Wetter. Weswegen man sie eigentlich nicht in näherem Umkreis des Zeltes haben will, in und vor allem vor dem man gerade wohnt.

Wobei das Wetter bis kurz vor Liz‘ Ende durchaus auch seine Sonnenseiten hatte. Und mal ehrlich: So am Meer ist eigentlich alles gut, vor allem, wenn das Wasser schön schwimmbar ist. Und wenn man nach drei Jahren endlich mal wieder am Stamm-Ort für die verlängerten Wochenenden ist, erst recht.

So also das Zelt einen Tag früher als geplant abgebaut und nach Paris zur Maison&Objet gefahren, einer Messe für Gedöns. Krempel, den man im Haus aufstellen kann. Deko. Skier im 1920er-Jahre-Style, die man irgendwodran lehnt. Viel Indienkitsch aller Art. Und sonstiger Mist. In meiner Freizeit ginge ich da eher nicht hin. Aber alleine schon für das schöne Gefühl, den Wagen mit Super für 1,53 Euro pro Liter betankt zu haben, einen Besuch wert.

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Samstagabend Spaziergang um den Block, um in der örtlichen Punkkneipe eine Karte für das Konzert von SHIRLEY HOLMES und Illegale Farben zu erstehen, weil ich letztere ja super finde, vor allem live.

An Vorverkaufsstelle / Kneipe / Konzertort angekommen, stelle ich fest, dass da an diesem Tag auch ein Konzert ist. Kann man ja mal mitnehmen, und ist dann auch recht schön. The Scum Orchestra aus Finnland machen was, wo auch akustische Gitarre und Waschbrett drin vorkommen. Das kann eigentlich nur schief gehen, ist in dem Fall aber flott und gut; Finnen halt. End of Pipe sind auch durchaus angenehm anzuhören. Ich bezahle noch meinen Deckel („der Kanzler-Deckel“, weil ja Scholz) mit den zwei Colas drauf und latsche die drei Minuten wieder nach Hause.

Daheim lausche ich noch ein wenig den Klängen der aktuellen LP von Syndrome 81, die wirklich gut ist, und wo sie u.a. von den „rues de Brest“ singen. Man sollte mal wieder in den Urlaub ans Meer.

Quellenangaben:

End Of Pipe:

The Scum Orchestra:

Syndrome 81:

Illegale Farben:

Die letzten Meter sind oft die schwersten. Marathonlaufende kennen das. So wie alle Raumfahrenden, die mal versucht haben, in ein Schwarzes Loch einzufliegen. Und so ist das mitunter auch mit Warenlieferungen, die, nachdem sie einmal am Verschickungsort los sind, über Konstantinopel fix an einem großen deutschen Flughafen eingetroffen sind, als wären sie geflogen. Hier werden sie nun seit einer Woche zwischen Lagerhallen hin- und hergefahren und nicht an ihren Bestimmungsort im Norddeutschen gekarrt. Ärgerlich, zumal sich unsereins nun von der Freizeit aus um nicht allzu aufwendigen, aber vielleicht gerade deswegen so lästigen Scheiß kümmern muss. Aber das tue ich ja gerne, solange sie am Flughafen Live-Action-Sokoban spielen können.

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Liège. Und/oder Lüttich. Manche sagen auch Luik dazu. Eine Stadt mit einigen Kirchen und ebenfalls alten Häusern. Zugerümpelter belgischer Schmuddel. Als Attraktion die Bueren-Treppe, sozusagen die „Stiege von Liege“ mit ihren gut dreihundert Stufen, die sich angenehm erklettern lassen. Die Jugend trainiert, indem sie ein- oder auch mehrbeinig Stufe um Stufe hochhüpft. Merke: Tritt nie gegen einen Lütticher im Hüpfekästchen an!

Spannend ist das Archéoforum, ein unterirdischer Rundgang, der sich anhand allerlei Steinernem mit der Stadtgeschichte beschäftigt. Sogar mit völlig interaktiven Stationen, die spannendes Erleben bieten, wo es ein oder zwei Zeilen Geschriebenes auch getan hätten. Die Belgier und ihre Vorliebe für Keller mal wieder. In der Schatzkammer der Kathedrale dann Werbung für Kindergeburtstage in ebendieser Schatzkammer. Manche Geschmacklosigkeiten schreiben sich da quasi von selber. Aber mysogyn und sowas von letztes Jahrtausend, dass man das am besten einfach sein lässt.

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Mittwoch spielten Protomartyr im Gebäude 9, und wären die in der ersten halben Stunde in die Pötte gekommen, wäre es viel besser gewesen. Vor allem hätten sie mal „Ferral Cats“ spielen sollen. Muss man mal so sagen. Beziehungsweise: hätte man denen vorab mal sagen sollen. Aber ich dachte, das wüssten die.

Überraschend super allerdings die Vorband DEAD FINKS. Obacht, unter diesem Namen firmieren diverse Gruppen von Musikanten!

Indiegedöns, irgendwo zwischen schön und klasse, so dass ich mich direkt gezwungen sah, am Merchstand die LP zu kaufen. Streamen ist bekanntlich was für Arme, wir APPD-Wähler wissen, wie es geht: Kaufen, kaufen, jeden Tag nur kaufen. Irgendwer muss diese Marktwirtschaft ja auch in der Krise am Laufen halten. Wäre ja lachhaft, wenn Putin uns in die Knie zwänge! Vor allem jetzt, auf den letzten Metern.

Mein Drucker ist kaputt. Zumindest macht er Geräusche; und sonst nichts. Es ist schlimm und hört sich auch so an.

Nun ist es nicht so, als hätte ich noch nie einen Drucker repariert. Erst neulich fragte mich eine Person, ob ich ihr nicht bei der Reparatur ihres Geräts helfen könne. Was ich dann auch tat. An den Treibern rumgeschraubt, Druckköpfe raus und rein, das ganze Programm. Anleitung aus dem Internet gezogen, überflogen, auch da nichts gefunden.

Blieb die Hölle. Das schlimmste aller Medien, wenn es um anderes als seichte Unterhaltung geht: ein Youtube-Video. So ein schrecklich umständliches Filmchen, wo vom ersten Tag der Schöpfung an alles erzählt wird, wo man ewig glotzt, um Informationen zu bekommen, die man in Sekundenschnelle aus drei Zeilen Text hätte extrahieren können.

Und es ging um Hölzken, es ging um Stöksken. Was nicht alles die Funktion eines Druckers stören kann! Gleich der erste heiße Tipp: Es könne ja ein Stift in das Gerät gefallen sein… Ächz. Fehlte nur noch „schonmal aus- und wieder angeschaltet?“. Wir schraubten also hier, öffneten da, schauten hier, nur um nach wenigen Minuten festzustellen, dass das Problem ein Stift war, der irgendwie zwischen Druckkopf und Druckerpapiertransportwalze geraten war.

Ich bin mal gespannt, was ich aus meinem Drucker ziehen werde. Ich hoffe, es ist wenigstens nicht lebendig.

Dass ich ohne Drucker auch keinen Text fürs ZAP Hardcore Magazin abgeben kann, versteht sich von selbst. Zumal der Herausgeber AK Inkinator meines Wissens im tiefsten Afrika verschollen ist und ich keine Antworten auf meine vielen Fragen nach konkreten Abgabeterminen bekommen habe.

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Am Mittwoch spielen Protomartyr in Köln, und da ich die Band schätze, war ich so mutig, mir trotz der unruhigen Zeiten, in denen wir leben, am Samstag vor dem Auftritt ein Ticket im Vorverkauf zu sichern. In einem Laden, denn der Drucker ist ja zu kaputt, um ein Online-Ticket auszudrucken. Nummer 11, also denkbar knapp.

Nun ja, wenigstens genug Luft zum Atmen an dem Abend, und man muss ja auch nur elf Freunde sein, das reicht angeblich. Ich hoffe, die Leute da sind nett. Aber vielleicht wird es ja doch noch voll; bei der „Dookie“-Tour von Green Day hatte ich Nummer 008 oder so.

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Ich berichtete vor einiger Zeit, dass der nette Netto an der Ecke dicht gemacht hat, und bin der Leserschaft dadurch natürlich einen Bericht über den weiteren Verlauf der Geschichte schuldig.

Es ist so: Mittlerweile werden die Folgen mehr und mehr deutlich, weil der an derselben Kreuzung gelegene Rewe abstinkt. Das Ding ist sowieso eng, da ist es sowieso hektisch, und mittlerweile kommt das Personal kaum noch mit dem Nachlegen der Waren nach, weil es ständig zusätzliche Kassen besetzen muss.

Und was vor allem schmerzlich vermisst wird, ist der Netto-Pfandautomat; die beiden Maschinen von Rewe sind dem Ansturm nur selten gewachsen. So standen sie nicht mal in der DDR vor den Pfandrückgabeautomaten. Es geht alles den Bach runter.

Was tun? Tatsächlich weiter als zwei Minuten Fußweg zum Einkaufen in Kauf nehmen? Oder zum Lidl am Wiener Platz gehen? Einem Supermarkt, der einem pro Besuch fünf Monate Lebenszeit stiehlt, weil alles so nervt und man sich unwohl fühlt?

Vielleicht am besten umziehen. Hab sowieso gerade eine Nebenkostenvorauszahlungsanpassung von der Ausbeutervermieterin zugesandt bekommen.

Doch wohin? Zur Jahreswende wollte ich nach Málaga, neulich nach Berlin, zuletzt nach Solingen, weil ich dort sehr schön an der Wupper langgewandert war. Irgendwie ist es wohl überall am schönsten. Oder zumindest da, wo ich gerade bin.

Uneingeladen kam sie herein, was einerseits unhöflich, aber andererseits wohl etwas ist, womit man rechnen muss, wenn die Schotten weit offenstehen. Wobei sich solche Gedanken eigentlich verbieten, da es sich um geradezu klassische Täter-Opfer-Umkehr handelt.

Nun ist sie jedenfalls drinnen und begutachtet mit erstaunlicher Ausdauer bereits seit Minuten meine Wohnung. Mal schwirrt sie hierhin, mal dort hin, mit ständigen Richtungsänderungen, die so wirken, als wüsste sie nicht so recht, was sie tut.

Weiß sie ja vielleicht auch nicht. Warum beispielsweise interessiert sie sich recht offensichtlich für den Wandkalender, aber nicht für die Plattensammlung, die viel interessanter ist? Vielleicht, weil Wespen nicht hören können?

Ich bin ein wenig ratlos und schaue mal, wie es mit Wespi weitergeht. Vielleicht habe ich ab jetzt eine Mitbewohnerin. Hauptsache, sie bringt nicht alle ihre Kumpel mit.

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Rückweg von dem Biergarten da in Riehl zwischen Colonia-Hochhaus und WoMo-Stellplatz, im Dunkeln zwanzig Minuten Fußmarsch heim. Wobei das Marschieren immer mehr zum Schlendern, zum Lustwandeln wird, weil ein großer goldener Mond am Himmel steht, als ich über die Brücke auf meine Seite des Flusses gehe. Eine Stimmung totaler Zufriedenheit, mit einem Hauch von Romantik.

Vorm Rewe dann Blaulicht, mehrere Streifenwagen und Polizei, die mit Leuten diskutiert, die weniger nüchtern sind als sie. Im Rewe an der Kasse blaffen sich dann ein Kunde und eine Kassiererin ausdauernd gegenseitig an, was mich dazu animiert, mich an der Schlange daneben anzustellen. Mülheim ist ein Jefööl.